Monika Oelz - cafebabel.com - europäische Medien
Geschrieben von Shoka am 14. May 2008 | Abgelegt unter medienmesse
Monika Oelz von cafebabel über Medienentwicklung, Chancen in Europa und natürlich cafebabel im Allgemeinen.
Kannst du kurz Cafebabel vorstellen?
Cafebabel.com ist ein Europamagazin in 6 Sprachen im Internet: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Polnisch. Ein europäisches Online-Medium, das aus einem Netzwerk von über 1000 ehrenamtlichen Mitarbeitern und 25 Lokalredaktionen in ganz Europa besteht. Als Plattform für partizipativen Journalismus bzw. Graswurzeljournalismus will cafebabel.com so viele Leser wie möglich in ihrer Muttersprache erreichen. Cafebabel.com verwendet einen so genannten „Pro-Am“ Journalismus. Der Begriff kommt aus den USA und steht für professional-Amateur journalism: Professionelle Journalisten der Zentralredaktion in Paris bearbeiten die Artikel der Jungjournalisten aus ganz Europa und sichern dadurch die Einhaltung unserer Qualitätsstandards. Im Jahre 2001 gegründet, publiziert cafebabel.com heute wöchentlich ca. 15-20 Artikel in sechs Sprachen und wird von Menschen aus ganz Europa besucht. Cafebabel.com hat bereits eine Plattform für Leser, die über Grenzen hinweg denken, geschaffen: Zum einem über das 6sprachige Europamagazin, in welchem alle Artikel eine europäische Perspektive aufweisen. Zum anderen versucht cafebabel.com mit Hilfe seiner E-Community eine grenzüberschreitende Debatte zu aktuellen Themen anzuregen…
Das Erfolgsrezept von cafebabel.com liegt meiner Ansicht nach in den Themen und Aufmachung der Artikel: Die Redakteure privilegieren einen frischen Ton, der nicht das institutionelle Europa, sondern ein Europa der Bürger wiedergeben möchte. Die Entwicklung von cafebabel.com hin zu einem „Web 2.0“ Medium bezieht die Leser in die Gestaltung des Magazins ein: Über die E-Community werden die Leser aktiv und regen europaweite Diskussionen an.
Warum habt ihr euch dazu entschieden an der Jugendmedienmesse teilzunehmen?
Um uns einem österreichischen jungen medieninteressierten Publikum zu präsentieren.
Wie schätzt du die Medienlandschaft in Österreich ein?
Sehr konzentriert, „Medienbarone“ die mehrere Medien zugleich besitzen, lässt nur wenig Möglichkeiten an medieninteressierte Menschen sich zu beteiligen.
Da du ja in Frankreich bist, wie würdest du die französischen Medien mit den österreichischen vergleichen?
In Frankreich befindet sich die Printpresse in der Krise, völlig andere Kultur des Journalismus, Zugang ist viel kontrollierter in Frankreich, Ausbildung fix und nicht offen wie in Österreich - > europäische Medien wie cafebabel.com können das ausgleichen – und ein Angebot schaffen, das nicht an den nationalen Markt gebunden ist.
Siehst du irgendwelche Tendenzen in den österreichischen Medien, in welche Richtung entwickelt sie sich deiner Ansicht nach?
Polarisierung zwischen Qualitätsjournalismus (Printmedien wie „Der Standard“, „Die Presse“) und Boulevardmedien (Kronenzeitung, Oesterreich, „ORF immer mehr“ …) – ich sehe in Österreich kaum mehr Platz f. Qualitätsjournalismus, da der drang zur Quote zu hoch ist – in Frankreich haben wir im Printsektor ein ähnliches Problem, Le Monde und Liberation kämpfen gegen Leserschwund … deswegen brauchen wir europäische Medien.
Was erwartest du dir von der Messe?
Austausch mit jungen medieninteressierten Menschen – Stand cafebabel.com, hoffe ein repräsentatives Angebot der österreichischen Medienlandschaft vorzufinden; Kontaktaufnahme mit Menschen die sich nicht mit nationalem Medienangebot begnügen wollen, Input für unsere Arbeit in Paris
Welche Möglichkeiten bietet Cafebabel an?
Cafebabel.com bietet allen medieninteressierten Menschen an sich journalistisch zu betätigen, für das Magazin zu schreiben, in sechs Sprachen zu übersetzen, in einem europäischen, mehrsprachigen Netzwerk aktiv zu sein, Debatten zu organisieren, an Debatten teilzunehmen, sich auszutauschen, echten Europajournalismus zu praktizieren mit der Teilnahme an Projekten wie Europe on the ground (jedes Monat schicken wir 5 Journalisten f. vier Tage in eine europäische Stadt, um eine Reportage zu schreiben, wir decken die Transportkosten (Flug), Unterkunft und Kosten während des Aufenthaltes und vermitteln Kontakte über unser Team vor Ort)
Was war dein Beweggrund selbst aktiv zu werden und welchen Tipp hättest du für junge Menschen die in der Medienlandschaft anfangen wollen?
Interesse an Europajournalismus bei Publizistik-Studium in Wien, Erasmus-Aufenthalt in Frankreich, Interesse an das gelebte und nicht institutionelle Europa, von dem die nationalen Medien leider selten sprechen, cafebabel.com ist ein generationelles Medium, Medium der Eurogeneration, der ersten Generation, die Europa im Alltag lebt!
Tipps: Sich einzubringen, keine Angst zu haben, sich selbst kennen zu lernen, um seine Stärken bestens einzusetzen in der europäischen Medienlandschaft.
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